Końcewo · seit 1999
Die Hofstelle der Familie Kołakowski in Masuren. Von Pferden — zu Ziegen. Von Milch — zu den im Keller reifenden Buchenholzregalen. Von Saison zu Saison, vom Bock zu den kleinen Zicklein.
01 · Geografie
Końcewo ist ein kleines Dorf in der Gemeinde Ruciane-Nida, im Süden der Masurischen Seenplatte. Kiefernwald auf allen Seiten, Seen ringsum — der Jegocin am nächsten, gleich hinter dem Wald, der Śniardwy drei Kilometer entfernt, weiter draußen Roś, Tałty, Bełdany. Der Weg ins Dorf führt durch den Kiefernwald.
Im Sommer duftet die ganze Gegend nach Harz und nach Tomaten aus den Hausgärten. Im Winter herrscht vollkommene Stille, und ab und zu zieht ein Reh vorbei. Die Landschaft hat sich hier seit Jahrzehnten nicht verändert — derselbe Wald, dieselben Seen, dieselben Wege.
Masuren — der seen- und waldreiche Osten Polens, weit ab von den großen Routen. Zweihundertzwanzig Kilometer von Warschau, fünfundsiebzig von Olsztyn, zweiundzwanzig von Mikołajki. Końcewo sitzt still in dieser Geografie, abseits.
Ein Ort, an dem man den Käse reifen hören kann.
02 · Geschichte der Hofstelle
Die Hofstelle ist über hundert Jahre alt. Vor 1999 standen hier andere Gebäude — ein Holzhaus und eine Holzscheune, die einer anderen Familie gehörten. Diese Geschichte kennen wir nicht ganz.
1999 kaufte die Familie Kołakowski den Hof. Sie beschloss, ihn vollständig wieder aufzubauen — den Grundriss und den Charakter einer masurischen Hofstelle zu bewahren, aber nahezu alles zu erneuern. Das Haupthaus entstand an der Stelle der einstigen Scheune. Der heutige Stall — an der Stelle des alten Hauses. Ziegel im Sockel, Holz in den Obergeschossen, rotes Ziegeldach. Eine Bauweise, wie sie für masurische Höfe um die Jahrhundertwende typisch war, doch von Grund auf neu errichtet.
In den ersten Jahren hielten sie hier nur Pferde. Der Stall war fertig, die Koppeln eingezäunt, die Wiesen mit Gras bestellt. Bis heute leben Pferde auf dem Hof — zwei alte, längst im Ruhestand, auf ihrer eigenen Weide auf der anderen Seite der Hofstelle. Sie arbeiten nicht mehr, aber sie gehören zum Alltag.
Die Idee mit den Ziegen kam gut ein Jahrzehnt später.
03 · Der Kreislauf
Vier Jahreszeiten, vier Rhythmen. Der Hof folgt der natürlichen Zeit — nicht einem Terminkalender und nicht den Öffnungszeiten.
Frühling · März – Mai
Zicklein in den ersten Tagen nach der Geburt
Aus den Gehegen am Stall dringt ein neuer Laut — das kurze, hohe Meckern der Neugeborenen. Jedes Jahr werden zwanzig bis dreißig Zicklein geboren, im Lauf einiger Wochen. Ihre ersten Tage verbringen sie bei den Müttern — sie lernen zu laufen, Milch zu trinken, auf der Weide Kräuterhalme zu zupfen. Die Frühlingsmilch ist die süßeste, denn die Ziegen sind nach dem Winter ausgeruht, und auf der Wiese wachsen die meisten jungen Kräuter.
Sommer · Juni – August
Ein Heufeld · August 2025
Heuernte. Die Felder rund um die Hofstelle — fünfzehn Hektar Land, verstreut zwischen Wald und Dorf — werden zweimal in der Saison gemäht. Der erste Schnitt im Juni, der zweite im August. Das Gras trocknen wir in der Sonne, fahren es in die Scheune, schichten es zu Schobern. Das ist der Vorrat für den Winter: mit gutem Heu wird die Herde von November bis April gefüttert.
Neben der Heuernte wächst der Gemüsegarten am Haus — Tomaten, Gurken, Kräuter, Kürbis, Kohl. Ein Teil des Gemüses kommt auf den Tisch der Familie, ein Teil an die Ziegen, die jeden Brocken aus der Perspektive der Herdenhierarchie beurteilen.
Im Sommer weiden die Ziegen von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf den Weiden.
Herbst · September – November
Ziegen im Stall am späten Nachmittag
Die Zeit des Bocks. Auf der anderen Seite des Hofs, in einem eigenen Gehege, wartet der alte Bock. Die geschlechtsreifen Ziegen kommen einzeln zu ihm, für einige Tage — so ist die Natur. Fünf Monate später, im Frühling, werden die nächsten Zicklein geboren. Ein Kreislauf, der sich seit Jahrtausenden nicht verändert hat.
Zur selben Zeit beginnt auch die Reifung der ersten Käse aus der Sommermilch — die tiefsten im Geschmack, denn sie stammen aus dem vielfältigsten Futter.
Winter · Dezember – Februar
Die Kutsche an der Stallseite · Februar 2026
In der Reifekammer gibt es die meiste Arbeit. Die Sommerkäse erreichen die volle Reife, die vom Herbst beginnen erst, ihre Rinde zu bilden. Jeden Laib wenden wir täglich — eine Stunde Arbeit am Morgen, eine am Abend. Die Ziegen im Stall, auf Heu vom Juni-Schnitt. Draußen Schnee, drinnen gleichbleibende Feuchte und Kühle — ideale Bedingungen für die Reifung. Es ist die Zeit, in der der Hof nach außen schläft und im Inneren am kräftigsten arbeitet.
04 · Der Hof heute
Auf dem Hof leben derzeit etwa achtzig Ziegen. Zwei Gehege mit Ausläufen, ein kleiner Stall, ein großer Stall. Auf der anderen Seite der Hofstelle — ein eigenes Gehege für den Bock. Jede Ziege hat ihren Platz, und die Herde reguliert sich selbst.
Gemolken wird zweimal am Tag — morgens gegen sechs, abends nach neunzehn Uhr. Alles von Hand, jede Ziege auf ihre Weise. Die Milch vom Morgengemelk kommt körperwarm in die Käserei — wir impfen sie sogleich mit Kulturen, geben Lab hinzu, formen sie. Der Frischkäse entsteht noch am selben Tag. Der gereifte Käse beginnt seine sechzig Tage — oder mehr.
Die Pferde sind geblieben. Zwei Pferde im Ruhestand, auf ihrer eigenen Weide auf der anderen Seite der Hofstelle. Sie arbeiten nicht mehr, aber sie gehören zum Hof, zu seinem gewöhnlichen Tag.
Ziegen in der Herde
ca. 80
Hofstelle
3 ha
Mit den Feldern
15 ha
Weitere Bewohner
Fred · Deutsch Drahthaar
Braun, mit weißem Streifen auf der Brust. Ein täglicher Begleiter. Er läuft mit der Herde, wenn die Ziegen auf die Weide ziehen, und weiß, welche Ziege gewöhnlich zuerst und welche zuletzt hinausgeht.
Harry · Berner Sennenhund
Größer, ruhiger, geboren, um bei Tieren zu sein. Er bewacht die Hofstelle zur Waldseite hin. Am häufigsten findest du ihn im Schatten an der Hauswand oder am Tor.
Jede Ziege kennt sie von Weitem. Sie kennen jede Ziege.
05 · Bevor du kommst
Frau Bożena und ihr Mann führen den Hof gemeinsam, Tag für Tag. Doch es ist kein ganzer Tag in der Käserei — Masuren ist zu schön, um das Leben nur zwischen Stall und Reifekammer zu verbringen. Im Sommer segeln sie mit dem Trimaran oder fahren mit dem Motorboot über den Śniardwy, im Herbst machen sie lange Radtouren durch die Gegend. Sie gehen in den Wald, sie sind am See. Masuren ist nicht nur der Ort ihrer Arbeit — es ist der Ort ihres Lebens.
Darum ruft man am besten vor der Anreise an. Die Nummer steht in der Fußzeile, auf der Seite Besuch, überall — +48 606 223 050. Ein Anruf am Vortag klärt alles: es wird Käse geben, es wird Milch geben (wenn du einen Tag vorher bestellst), und die Familie Kołakowski wird da sein, um dich über die Hofstelle zu führen — die Ziegen, die Gehege, die Ausläufe, die Reifekammer.
Die Ziegen sind natürlich immer da.
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